Anpassung kognitiver Prozesse an intelligente Lösungen für mehr Effizienz und Menschlichkeit
Die Potenziale von Algorithmen und KI sollen so gut wie möglich genutzt werden. So zum Beispiel auch in der Automatisierung bestehender, kognitiver Prozesse. Egal um welche Prozesse es sich dabei handelt. Ein sich daraus ergebendes Problem ist, dass Algorithmen und KI unsere menschliche Sprache nicht verstehen, die Sprache, in der wir Prozesse definieren und umsetzen. Zudem Arbeiten Algorithmen anders als ein Mensch und verstünden den Inhalt eines Prozesses oder einer Aufgabe selbst dann nicht, wenn sie die formale Sprache des Menschen verstehen könnten. Um das Potenzial von Algorithmen und KI dennoch heben zu können, müssen Prozesse, wenn diese automatisiert werden sollen, von Grund auf neu gedacht und aufgesetzt werden. Alles andere ist nur eine Notlösung oder Work-Around. Verdeutlichen möchte ich dies anhand eines plakativen Beispiels. Nehmen wir als Prozess den Schaltprozess eines PKW mit manuellem Getriebe. Genauer besteht der Prozess aus der Bewegung des Schaltknaufs von einem Gang in den anderen, sowie dem abgestimmten Drücken des Kupplungspedals. Der Mensch führt diesen Prozess durch. Nun besteht das Ziel darin, diesen Prozess zu automatisieren. Gehen wir nun mit einem starren Verständnis der Automatisierung von Prozessen vor, würden wir den Prozess und das dazu gehörige System (hier das Auto mit Kupplung und Getriebe) unangetastet lassen und versuchen den manuellen Prozess unverändert zu automatisieren. Was wäre das Ergebnis? Da versucht würde die Hand- und Fußbewegung des Menschen durch technische Lösungen auszuführen, liegt ein Roboterarm, welcher den Schaltknauf bewegt, sowie eine Vorrichtung im Fußraum, welche das Kupplungspedal drückt, nahe. Eine offenkundig wenig praktikable Lösung, jedoch das Ergebnis eines starren Denkens mit gegebenen Prozessen und Prozessumgebungen. Die Geschichte zeigt, dass es anders kam.
In der Vergangenheit gab es bereits Wellen der Prozessanpassung aufgrund neuer technischer und anderer Lösungen zur Automatisierung physischer Prozesse. Lösungen konnten dabei Maschinen und Anlagen, als auch arbeitsorganisatorischer Natur sein. Die Einführung von Blechpressen als Nachfolger von manueller Blechumformung änderte den Herstellungsprozess sowie auch die Möglichkeiten der Produktgestaltung zum Beispiel maßgeblich. In Zeiten der Industrialisierung wurde zudem die Aufgabenteilung vorangetrieben und Prozesse so vereinfacht, dass die Menschen am Fließband möglichst wenige Prozessschritte ausführten. Dies erhöhte die Effizienz und Effektivität, welche jedoch mit erheblich erhöhter Arbeitsbelastung erkauft wurden. Genauso wie sich damals die Mitarbeiter am Fließband wörtlich den Buckel krumm schufteten, so zeugen zahlreiche Rückenbeschwerden von endlosen, monotonen Stunden vor den Computerbildschirmen, dem Fließband der Moderne. Genauso wie damals, als physische Prozesse an die Eigenheiten technischer Lösungen angepasst wurden, so werden heute kognitive Prozesse an die Eigenheiten des Computers und deren Software angepasst. Die Folgen sind abermals erhöhte Effizienz (im Vergleich zu Papier und Stift) sowie eine unmenschliche (im Sinne seiner Natur) Arbeitsweise und -belastung. Neben der physischen Eintönigkeit kommen heute kognitive Eintönigkeit oder andererseits eine überbordende Informationsflut auf den Menschen zu. Kein Mensch ist dazu geschaffen regungslos 8 Stunden pro Tag am Schreibtisch zu sitzen und kaum ein Mensch denkt wie eine Excel-Liste. Es scheint als seien die negativen Mitbringsel der Effizienzsteigerung, im Fokus der Effizienzsteigerung durch Automatisierung, fest mit dieser verknüpft, zumindest mit Blick in Richtung Vergangenheit.
Im Gegensatz zur Vergangenheit haben wir heute die Chance dieses Muster zu durchbrechen, wenn Algorithmen und KI richtig integriert und angewendet werden können. Wenn Prozesse, im Besonderen kognitive Prozesse, von Grund auf so gestaltet werden, dass diese gezielt auf Mensch und Maschine verteilt werden, kann sowohl eine Effizienzsteigerung, als auch eine Verbesserung der Arbeitsbelastung erreicht werden. Glücklicherweise ist der Mensch genau in den Disziplinen gut, die seinem Naturell entsprechen und in der die Maschine das Nachsehen hat. Ungeliebte Aufgaben erledigt die Maschine hingegen besser. Die Fähigkeiten ergänzen sich. Warum sollte also noch der Mensch Excel-Listen pflegen?
Die KI-Revolution steigert also nicht nur Effizienz und Effektivität von kognitiven Prozessen, sondern birgt zudem das Potenzial bessere Arbeitsbedungenen und -inhalte zu generieren. Dies steht im Widerspruch zur industriellen Revolution oder auch der landwirtschaftlichen Revolution, welche mehr Arbeit für dennoch kärgere Ernährung als zuvor zur Folge hatte. Es könnte sich damit bei der KI-Revolution um eine Win-Win-Situation handeln. Vorausgesetzt diese wird aktiv in die gewünschte Richtung hin entwickelt. Grundlegend dafür ist das Überdenken und Neuausrichten von kognitiven Prozessen vor dem Hintergrund der Automatisierbarkeit. Bewusste Trennung zwischen Mensch und Maschine und Anpassung der Prozesse an die Anforderungen der Maschine sind meines Erachtens die Schlüssel, um eine Basis für die gewinnbringende Nutzung von KI in der Masse der Geschäftsprozesse aufzubauen. Warum sollte auch nur eine Fachkraft Zeit für etwas verschwenden, was auch ein Algorithmus kann?