Die KI als Ghostwriter

Die KI als Ghostwriter

Neulich stand ich vor der Aufgabe, eine Kurzgeschichte zu ein paar gegebenen Anfangssätzen zu schreiben. Leider hatte ich eine kleine Schreibblockade und da kam mir mein aktuelles Lernprojekt zum Thema KI (lernOS KI MOOC) in den Sinn. Wieso nicht eine künstliche Intelligenz als Unterstützung ausprobieren?

Gedacht, getan. Innerhalb weniger Augenblicke hatte mir ChatGPT eine richtig brauchbare Geschichte geschrieben. Ohne dass ich meine eigene Kreativität bemühen musste, ohne langwierige Vorarbeit und mit einer Leichtigkeit, die Lust auf mehr macht.

Nach dem ersten vielversprechenden Ergebnis habe ich meine Spielereien weitergetrieben und herausgekommen ist eine kleine Sammlung von Textexperimenten. Diese findet sich auf folgender Webseite: KI-Spielereien (Webseite der Schreibwerkstatt "Wortfischer").

Die Arbeit der KI in meinem Projekt

Die KI, oder genauer gesagt, die KIs (denn in Wirklichkeit habe ich sowohl ChatGPT wie auch DALL-E bemüht) haben mir bei folgenden Dingen geholfen:

  • Schreiben der Kurzgeschichten
  • Finden jeweils passender Titel
  • Schreiben der Zusammenfassung je Kurzgeschichte
  • Rechtschreibprüfung meines Einleitungstextes zum Schreibprojekt
  • Erstellen von Prompts, um der bildgenerierenden KI die richtigen Anweisungen zur Erstellung passender Bilder für die Texte zu geben

Das Ergebnis

Die von ChatGPT erzeugten Texte hatten unterschiedliche Qualitäten: von nahezu perfekt bis unbrauchbar war alles dabei. Sehr faszinierend finde ich, dass Ausdrucksweise und Grammatik inzwischen ein recht gutes Level erreichen, obwohl eine KI die Sätze eher aufgrund statistischer Modelle zusammenbaut, anstatt sie logisch von Grammatikregeln und Syntax abzuleiten. Noch vor wenigen Monaten waren die Ergebnisse nach meinem subjektiven Empfinden wesentlich schwächer.

Nicht immer passte der von der KI erzeugte Input zu den angeforderten Aufgaben. Das gilt sowohl für die Text- als auch Bildgenerierung. Folgendes Beispiel von Microsofts Designer-Tool soll dies exemplarisch zeigen. Der Prompt für die Bildgenerierung lautete:

Es (das Bild) soll eine schöne Schreibfeder zeigen, die Text schreibt und die von einem Roboter geführt wird. Der Roboter ist wie eine selbständige Marionette dargestellt, die an Fäden hängt, welche von einer menschlichen Hand am oberen Bildrand geführt werden. Es soll zeigen, dass der Roboter nur der Hilfsassistent des eigentlichen Autors ist und nicht komplett selbständig ist. Es ist der Roboter, der die Feder führt. Und die menschliche Hand ist der Marionettenspieler, der den Roboter bewegt.

Obwohl der Prompt zweimal explizit eine menschliche Hand verlangte, erzeugten einige Bilder eine Roboterhand:

Stellenweise will die KI einfach nicht zuhören und macht ihr eigenes Ding :-)

Manchmal braucht es mehrere Versuche, bis ein brauchbarer Output erreicht wird. Gerade bei der Bildgenerierung ist das oft schwierig, da jeder Versuch komplett neue Ergebnisse bringt und kaum auf dem zuvor generierten Bild aufsetzt. Das funktioniert bei der Textgenerierung sehr viel besser.

Die emotionalen Implikationen

Faszination

Meine erste Reaktion, die noch immer anhält, ist absolute Faszination. Mich begeistert, ...

... was technisch heute alles schon möglich ist,

... wie überraschend gut die neu kreierten Texte einer KI sein können,

... dass selbst Laien diese Tools bedienen können,

... und uns das aktuell so einfach zur Verfügung steht,

... wie viel Inspiration man gerade aus ChatGPT ziehen kann.

Darüber hinaus springt meine Fantasie regelrecht im Viereck, wenn ich mir ausmale, was man alles daraus erschaffen kann. Das Potential erscheint mir riesig und ich bin überzeugt, dass diese Tools die Art, wie wir arbeiten, grundlegend verändern werden.

Beeinträchtigte Motivation

Ich spürte es sofort, nachdem ich meine Kurzgeschichte nach zwei Prompts mit ChatGPT in Händen hielt: Meine Lust, selbst noch eine Kurzgeschichte zur gestellten Aufgabe zu erarbeiten, war gegen Null gesunken. Wieso sollte ich mir die Mühe machen und mir den Kopf zerbrechen, ein Brainstorming machen, den Aufbau der Geschichte planen, in zeitintensiver Arbeit Sätze formulieren und anschließend in meinem Perfektionismus noch zigmal überarbeiten, wenn doch das Ergebnis aus der KI-Büchse durchaus annehmbar ist?

Hier kommt die Schattenseite der KI: Sie bremst unseren eigenen Schaffensdrang enorm aus. Ich stelle mir die Frage, woher sollen Schüler noch die Motivation nehmen, sich selbst an die Arbeit für einen Aufsatz, ein Gedicht, eine Zusammenfassung oder ein Referat zu machen, wenn sie sowas in wenigen Klicks aus einer KI rausholen können? Woher sollen Künstler noch die Muße nehmen sich monatelang mit der Schaffung ihres Kunstwerks zu beschäftigen, wenn es die KI mit ein wenig Führung in wenigen Momenten ausspucken kann?

Gedankenkarussell

Und wer wird in der Zukunft überhaupt noch bereit sein, für menschliche Arbeitsstunden an derartigen Werken zu bezahlen, wenn eine KI es in wesentlich weniger Zeit realisieren kann?

In mir brodeln beide Arten von Gedanken: Einerseits sprudeln neuerdings in mir die Ideen um die Wette, was und wo man noch alles mit Hilfe von ChatGPT und co. schnellere, einfachere und auch bessere Lösungen finden kann.

Andererseits wirbeln in mir die Gedanken um die negativen Auswirkungen herum. Beginnend beim drohenden Wegrationalisieren beruflicher Tätigkeiten, über die Schwierigkeit, menschliche Urheberschaft von künstlich generiertem Inhalt unterscheiden zu können bis hin zu der Frage, was das in der Zukunft mit unserer menschlichen Denkfähigkeit, der menschlichen Kreativität und überhaupt der Nutzung unseres Gehirns anstellen wird.

Lessons Learned aus der praktischen Anwendung

  1. Viele der Ergebnisse sind auf einem derart guten Niveau, dass man nicht immer unterscheiden kann, wann sie durch eine KI und wann durch einen Menschen erstellt wurden.
  2. Sie kann viel mehr, als ich mir anfangs vorstellen konnte.
  3. Anstatt das Endprodukt direkt von der KI generieren zu lassen kann man sie auch als Ideengeber und zur Inspiration nutzen.
  4. Man kann sich für die Nutzung einer KI von einer anderen helfen lassen: Zum Beispiel kann ChatGPT (Textgenerierung) zum Prompten für DALL-E (Bildgenerierung) eingesetzt werden.
  5. Ebenso kann es hilfreich sein, die KI selbst zu fragen, wie man sie sinnvoll nutzen kann. Denn sie kann über sich selbst detaillierte Auskünfte und Tipps geben.
  6. Nicht immer folgt die KI den gemachten Anweisungen korrekt. (Siehe Beispiel mit der menschlichen Hand weiter oben).
  7. Es kann auch sein, dass die KI Dinge erfindet, insbesondere, wenn sie keine Antwort auf eine Frage kennt. Beim kreativen Schreiben kann das durchaus hilfreich sein, aber wenn es um Korrektheit geht, ist Vorsicht angebracht.
  8. Aus Punkt sechs und sieben folgt, dass man sich nicht komplett auf den Output verlassen sollte! Stattdessen ist menschlicher Verstand gefragt, um die Ergebnisse zu prüfen und sinnvoll zu verwenden.


Gesamtbetrachtung

Aus meiner Sicht lässt sich die Arbeit mit der KI im kreativen Bereich mit der Rolle eines Regisseurs vergleichen. Die KI agiert als unterstützendes Werkzeug, das spezifische Aufgaben übernimmt. Der Regisseur hingegen trägt die Verantwortung für das Gesamtwerk, kontrolliert und koordiniert die einzelnen Elemente und sorgt dafür, dass sie zu einem passenden Endergebnis verschmelzen.

Die KI selbst (ChatGPT) ergänzt dazu:

"Dieser Ansatz betont die symbiotische Beziehung zwischen menschlicher Kreativität und technologischem Fortschritt, wobei die KI als ein mächtiges Instrument dient, das durch die visionäre Leitung des Regisseurs zu seiner vollen Entfaltung gelangt."


#kimooc24 #KI #ChatGPT #DALL-E #Kreativität #Technologie #Schreibblockade

Maike Petersen

💚 Zukunftsgestalter ✅ EINFACH MACHEN ✅ Digitale Transformation ✅ 👸🏻 Expertin für Monsterprojekte

8 Monate

Hast du schon Perplexity ausprobiert? Mir gefallen die Ergebnisse von Perplexity vs ChatGTP immer besser 💚💚💚💚💚

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