Trinkt mehr Kaffee!

Trinkt mehr Kaffee!

Kaffee trinken zum Frühstück, im Büro, nach dem Mittagessen: Es ist eine der liebsten Angewohnheiten von fast allen Europäern. Lange galt Kaffee dabei als krankmachende Droge. Doch mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. 

KAFFEE TUT GUT

Wer Kaffee trinkt, tut nach Studien des amerikanischen Chemieprofessors Joe Vinson seinem Körper so viel Gutes wie jemand, der auf ausreichend Gemüse in seinem Speiseplan achtet. Hierfür zeichnen sich die sogenannten Antioxidantien verantwortlich, die in Gemüse und auch Kaffee enthalten sind. Bei der Arbeit bringt uns der Göttertrank auf Touren und fördert die Kreativität. 

RICHTIG ODER FALSCH?

Im Folgenden einige interessante Fakten rund ums Kaffetrinken: Wer im Glauben daran, dass er besser wirkt, auf Espresso schwört, sitzt einem weit verbreiteten Irrglauben auf. Je länger das Wasser nämlich durch das Kaffeepulver sickert, desto mehr Koffein kann sich entfalten. Und da ein Espresso bekanntlich schneller durchläuft, als ein Kaffee, macht er nicht so wach. Der Koffeingehalt ist meist gleich, das im Kaffee wirkt aber besser. Koffein wirkt nach ungefähr zehn Minuten. Wer sich also wundert, warum er trotz Kaffee nicht wach wird, sollte einfach mal schneller trinken. 

DIE DRITTE WELLE

In Bezug auf die Kaffeekultur spricht man aktuell von der dritten Welle. Die erste war der Massenkaffee aus dem Supermarkt, die zweite der Espresso der Toskanafraktion samt Lattes und Pappbecher to go. Die dritte Welle soll nun Rückbesinnung und Weiterentwicklung zugleich bringen: bewusst genossener, sortenreiner, gekonnt zubereiteter schwarzer Filterkaffee. Ein Wachmachergetränk als Fetisch könnte man es auch nennen. Dabei sollte Kaffee doch eigentlich dem Denken dienen und nicht umgekehrt. 

KAFFEE ALS PHÄNOMEN

So galten Kaffeehäuser seit ihrer Erfindung lange als Orte in denen Ideen geboren und Revolutionen vorbereitet wurden. Heutzutage kauern hier schlaue junge Leute auf unbequemen Stühlen, starren autistisch auf Bildschirme und krümeln mit Cupcakes. Die dritte Welle behandelt Kaffee als ein Produkt, das nicht mehr Handelsware oder Lebensmittel sein darf, sondern als ein komplexes Genussmittel. Die Anfänge des Phänomens liegen in Amerika. Alfred Peet eröffnet 1966 in Kalifornien einen Coffeeshop mit angeschlossener Rösterei. Peets Jünger, die sogenannten Peetniks, standen Schlange. 

CARAMELISIERTE LATTE

Als 1971 in Seattle die ersten Starbucks-Läden eröffneten, bezogen die Gründer ihre Bohnen von Peet. Nationen mit einer gewachsenen Tradition des Kaffeetrinkens wie beispielsweise Italien kümmert die Dritte Welle gottseidank eher wenig. Auch die Schweiz mit ihrer Nähe zur italienischen Tradition ist keine caramellisierte Latte-Hochburg. Zu Recht darf man fragen, was aus dem guten alten Massenkaffee geworden ist, der Generationen von Geistesarbeitern zu Höchstleistungen angetrieben hat?

KLASSISCHER KAFFEE

Vielerorts ist er schon der zweiten Welle zum Opfer gefallen, wurde verdrängt von Kapselmaschinen und anderen Vollautomaten. Dabei geht es mal wieder um einen echten Werteverlust. Klassischer Kaffee hat die Französische Revolution befeuert und das Nachtleben begründet. Wir sollten ihn uns jetzt nicht von prätentiösen, abgebrühten oder laktosefreien Attitüden kaputtmachen lassen.

Texte: Ilona Schönle

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