Spannungsfelder der Führungskraft
Führungskräfte stehen in ihrem Job vor einem vielschichtigen Spannungsfeld. Ihre Rolle als leitende Person einer Organisation oder eines Teams erfordert ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Balance. Einerseits müssen sie die Visionen und Ziele des Unternehmens vorantreiben, Mitarbeitende fördern und fordern und die Effizienz steigern. Andererseits müssen sie individuelle Bedürfnisse und unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen, um ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen. In diesem Artikel möchte ich die verschiedenen Facetten des Spannungsfeldes der Führungskraft beleuchten.
Wie auch im Projektmanagement stehen Führungskräfte vor der Herausforderung, das Magische Dreieck aus Zeit, Leistung und Budget ideal auszuloten. Dadurch ergibt sich bereits ein Spannungsfeld für die Gestaltung des Führungsbereiches.
Zusätzlich gibt es weitere Beteiligte, die durch ihre Anforderungen Einfluss auf die Führungskraft nehmen:
Im Folgenden gehe ich etwas näher auf einzelne Spannungsfelder ein, die sich in der Gruppe der eigenen Mitarbeitenden ergeben:
1️⃣ Ergebnisorientierung vs. Mitarbeiterförderung
Eine der grundlegenden Spannungen, denen sich Führungskräfte stellen müssen, ist die Balance zwischen Ergebnisorientierung und Mitarbeiterförderung. Einerseits ist es ihre Verantwortung, Unternehmensziele zu erreichen und Leistung zu erbringen. Andererseits sind engagierte und motivierte Mitarbeiter der Schlüssel zu langfristigem Erfolg. Führungskräfte brauchen daher ein Gespür dafür, wie sie ihre Mitarbeitenden unterstützen und fördern können, ohne dabei die Erreichung von Zielen aus den Augen zu verlieren.
2️⃣ Autonomie vs. Kontrolle
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Ein weiteres Spannungsfeld ist die Balance zwischen der Gewährung von Autonomie an ihre Mitarbeiter und der Notwendigkeit, den Überblick über den Fortschritt und die Qualität der Arbeit zu behalten. Ein zu starkes Festhalten an Kontrolle kann das Vertrauen der Mitarbeiter untergraben und ihre Kreativität einschränken. Andererseits birgt zu viel Autonomie das Risiko von Ineffizienz und Fehlentscheidungen. Hierzu ist es hilfreiche, eine Kultur zu schaffen, in der Mitarbeitende ihre Ideen und Meinungen vertrauensvoll einbringen können. Gleichzeitig ist es wichtig, klare Ziele und Erwartungen zu kommunizieren und den Mitarbeitenden den Freiraum zu geben, ihre Arbeit auf ihre eigene Art und Weise zu erledigen.
3️⃣ Sachlichkeit vs. Emotionalität
Des Weiteren ist der Umgang mit Sachlichkeit und Emotionalität im Arbeitsumfeld ein wichtiger Aspekt. Führungskräfte sind oft mit schwierigen Entscheidungen und Konflikten konfrontiert. Die Kunst besteht darin, die richtige Balance zwischen Sachlichkeit und Emotionalität zu finden. Offene Kommunikation und ein wertschätzender Umgang miteinander können dazu beitragen, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der Emotionen konstruktiv genutzt werden können, um das Team zu stärken und gemeinsam Herausforderungen zu meistern.
4️⃣ Gleichbehandlung vs. Rücksicht auf Einzelne
Auch die Herausforderung, alle Mitarbeitenden gleichzubehandeln, während gleichzeitig die individuellen Bedürfnisse und Unterschiede jedes Einzelnen berücksichtigt werden, gehört zu den Aufgaben Spannungsfeldern einer Führungskraft. Die Förderung von Gleichbehandlung und Fairness ist entscheidend, um ein harmonisches Arbeitsumfeld zu schaffen und das Vertrauen der Belegschaft zu gewinnen. Gleichzeitig kann es Situationen geben, in denen einzelne Mitarbeitende besondere Unterstützung benötigen, sei es aufgrund persönlicher Umstände, Leistungsherausforderungen oder individueller Stärken. Klare und transparente Richtlinien für Leistung, Belohnungen und Disziplinarmaßnahmen schaffen eine Basis der Gleichbehandlung. Durch regelmäßige Gespräche und Aufmerksamkeit für die persönlichen Lebensumstände der Mitarbeitenden können Führungskräfte ein Verständnis für die individuellen Herausforderungen gewinnen und angemessene Unterstützung bieten.
5️⃣ Konkurrenz vs. Kooperation
Unternehmen setzen oft auf die Förderung von internem Wettbewerb, um die Leistung und Produktivität zu steigern. Doch ein zu starker Fokus auf Konkurrenz kann zu Silo-Denken führen und die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen und Teams erschweren. Indem Führungskräfte Konkurrenz und Kooperation in einem ausgewogenen Verhältnis betrachten, schaffen sie eine dynamische Unternehmenskultur, die die Stärken und Talente aller Mitarbeitenden und Teams nutzt. So können Synergien genutzt und innovative Lösungsansätze entwickelt werden, um letztendlich die Effizienz und Effektivität der gesamten Organisation zu steigern. Wenn die Mitarbeiter erkennen, dass sie gemeinsam mehr erreichen können als im Alleingang, entsteht ein Gefühl des Zusammenhalts, das die Teamdynamik stärkt und das Unternehmen voranbringt.
Die Kunst der erfolgreichen Führung besteht darin, diese Spannungsfelder bewusst zu erkennen und proaktiv zu managen. Indem du die verschiedenen Facetten des Spannungsfeldes ausbalancierst und situativ die richtigen Strategien anwendest, kannst du eine gesunde und produktive Arbeitsumgebung schaffen. Ein offener Dialog, Empathie und Flexibilität sind entscheidende Werkzeuge, um dein Team zu inspirieren und zu fördern. Damit wirst du auch langfristig die Bindung und Zufriedenheit deiner Mitarbeitenden stärken.