Warum jeder die unschlagbare Kraft der Wörter kennen sollte
Täglich sind wir in der Kommunikation; mit uns, mit Freunden, Kollegen, Partnern, Familie, der Außenwelt. Da unser Gehirn in den seltensten Fällen eine Pause einlegt, fahren ständig Züge hindurch. Von rechts nach links und wieder zurück.
Manche fahren so schnell, dass uns ganz schwindlig wird von Ihrer Botschaft, von Ihrer Heftigkeit. Da benötigt es schon viel Standfestigkeit, um diese schadlos zu über“stehen“. Da gibt es die Leichten, Feinen, vielleicht Sensiblen. Wir erwarten, dass sie umfallen, wenn der Zug zu „wow“ war. Weniger erwarten wir es von denen, die sich körperlich und mental stark geben. Ob die äußere Größe auch die Innere widerspiegelt, sei an dieser Stelle außen vor gelassen.
Es geht um das, was ein paar Schichten tiefer stattfindet. Im Unterbewusstsein.
Die Situation ist vorbei, das Gespräch ist beendet, das Thema gewechselt, der Tag vorbei. Doch noch weniger als das Internet vergisst das Unterbewusstsein. Es ist tückisch da es (zunächst) nicht wehtut, nicht laut oder leise ist, nicht sichtbar, nicht recherchierbar. Auf uns wirken täglich 11 Millionen Sinneseindrücke pro Sekunde (100MB) ein, wovon wir maximal 0,1 % in unserem Bewusstsein aufnehmen können. Das heißt, das meiste landet im Unterbewusstsein. Die Frage, ob wir tatsächlich einen freien Willen haben, konnte die Forschung letztendlich noch nicht klären.
Die Beobachtung, dass das menschliche Handeln und Entscheiden bereits 7-10sec. vor der eigentlichen Handlung aus der Gehirnaktivität vorhergesagt werden konnte, bestätigte auch John Dylan Haynes (Kognitionsforscher, Berlin). Das bedeutet, die Zeit dazwischen kann noch dazu verwendet werden, um den letztlichen Handlungsvollzug bewusst auszuführen, aber die Entscheidung dazu fand bereits statt.
Was bedeutet das nun für das tägliche Zusammenleben?
Stelle ich mir mein Gegenüber als bio-chemische Reaktion der Großhirnrinde vor, die aus einem Pool vergangener Erlebnisse seine Antworten generiert? Tatsächlich würde dies in einem Gespräch keinen Mehrwert liefern. Hilfreich jedoch ist die Klarheit darüber, dass wir mit unseren Aussagen und Verhaltensweisen nachweisbar das Fühlen und Handeln anderer Menschen beeinflussen können. Abgesehen davon, dass dies immer auch missbräuchlich geschehen kann, möchte ich hier darauf verweisen, wie viel positiven Einfluss jeder einzelne nehmen kann. In Anknüpfung an meinen letzten Artikel 'Was wir von Trailrunnern und Abenteuern lernen können' geht es um das Schaffen von Bewusstsein.
Eine Freundin erzählte mir von einer Wandertour, auf der sie mehrere Tage mit dem Rucksack von Hütte zu Hütte unterwegs waren. Am Ende eines längeren Wandertages trafen sie auf einen alten Senner, der mit herben Dialekt sein Erstauen über die von der Frauengruppe geplante Marschroute äußerte. Er zweifelte das Vorhaben an, da die originale Wanderroute von einer Schlammlawine verschüttet und unbegehbar sei; stattdessen müssten sie zunächst ins Tal zurück absteigen, um auf der anderen Bergseite wieder alles herauf zu klettern.
Am Ende Ihrer physischen und mentalen Kräfte drohte das Projekt zu scheitern. Die Aussicht auf eine unberechenbaren Aufwand mit ungewissem Ausgang wurde mit ein paar Worten zu einer Hiobsbotschaft. Die unterschiedlichen Stärken des kleinen Teams waren es schlussendlich, die die Gruppe zum Aufbruch antrieb, indem sie sich gegenseitig motivierten.
Wenig später begegneten sie in einer anderen Hütte einem jüngeren Mädchen, welches als Saisonverstärkung auf der Alm schaffte. Als sie von den Tourplänen des Damen-Trios erfuhr, erhellte sich ihr Gesicht und sie begann in den höchsten Tönen von der Schönheit der Natur auf dem geplanten Weg zu sprechen. Sie können sich vorstellen, was diese Worte wiederum auslösten, obgleich die Erschöpfung mit zurückgelegter Strecke nicht geringer wurde.
Als Sportler weiß ich um die Kraft der Worte und Gedanken. Gedanken folgen den Worten. Es kommt der Punkt, an dem Selbstgespräche (in einem Rennen oder einer längeren, intensiven physischen Belastung) unvermeidbar werden. Die Frage der Sinnhaftigkeit des Unterfangens taucht auf.
Ich erlebte dies auf einem Ultra Trail. Ich war völlig unterzuckert in Richtung vorletzter Verpflegungsstation auf knapp 3000Hm unterwegs. Plötzlich tauchten vermehrt Wanderer auf. Sie konnten an meiner Startnummer erkennen, welche Strecke ich bereits gelaufen bin und was noch vor mir lag. Als ich durch die Anstrengung mental hochsensibel die Begeisterung der 'Fans' spürte, schossen mir die Tränen der Dankbarkeit in die Augen. Selten haben mich Worte so sehr berührt, wie in jenem Moment. Der Grund, weshalb ich in den Bergen bin, ist die Einsamkeit mit sch und der Natur. Es geht hier nicht um tausende von johlenden Zuschauern. Aber diese sehr authentischen Worte waren unbezahlbar und holten ungeahnte Reserven aus mir heraus.
Wenn Sie das nächste Mal, kritisieren, Ratschläge oder Feedback geben, denken Sie an die Macht der Worte.
Hier ist meine persönliche Happiness Liste, damit Sie ihr Eigenes und das Leben der anderen bereichern können.
- 5 Sekunden Regel: Erst denken, bevor Sie etwas sagen (besonders, wenn Sie emotional involviert sind)
- Sagen Sie nichts, wenn Ihnen nichts Positives einfällt
- Überlegen Sie kurz, ob ein kritischer Satz hilfreich ist oder nicht
- Bezwecken Sie etwas mit Ihrer Aussage? Geht es um Sie oder die andere Person?
- Bleiben Sie authentisch und suchen Sie nach einer Lösung
- Übertreiben Sie im Positiven! Lieber lachen Sie darüber, als das Sie jemanden verletzen.
- Lassen Sie Spitzen weg. Oft verbergen sich Wahrheiten dahinter, die das Gegenüber spürt.
- Gehen Sie einen Schritt zurück in die Vogelperspektive.
- Stellen Sie sich vor, wie der Satz für Sie klingen würde.
- Verbinden Sie sich mit der Natur – sie bringt das Beste und Wahrste aus uns hervor.
Juliane Fröbisch,
Ultra Distance Athletin und Sportwissenschaftlerin
ICF Credentialled Coach specialized in transformative coaching conversations that catalyze change. Helping people move through change and uncertainty with a sense of clarity and purpose that opens new choices.
5 MonateFantastisch Juliane! Die Kraft der Worte = Words Create Worlds.